Samstag, 15. August 2009

Red Star 93 FC-Libourne Saint-Seurin 0:0

CFA Groupe C
Stade Bauer, 300 Zuschauer
Ground No. 1018

Red Star 93 FC ist ein traditionsreicher Klub mit einer glorreichen Vergangenheit. Momentan läuft es dem Klub aber alles andere als gut, so stieg die Mannschaft letztes Saison in die CFA 2 (5höchste Liga) ab. Erst im letzten Augenblick vor der neuen Saison wurde die Mannschaft nach einem juristischen Geplänkel in die CFA zurückgestuft. Generell ist die vierthöchste Spielklasse (CFA = Championnat de France Amateur, welche in 4 Gruppen aufgeteilt ist) ein chaotischer Betrieb, so gab es kurz vor Saisonstart noch einige Mutationen innerhalb der Gruppen. Beim heutigen Gegner Libourne Saint-Seurin läuft es ähnlich schlecht, der Klub ist innerhalb von zwei Jahren von der Ligue 2 in die CFA heruntergerutscht und kämpft mit grossen finanziellen Problemen. Der Klub aus der Nähe von Bordeaux wurde vor nicht allzu langer Zeit von Didier Tholot (ex-YB Spieler und jetziger Masochist in Sion) trainiert. Der Klub ist bereits nach wenigen Jahren seiner Existenz von Paris nach St. Ouen gezogen, wo die Mannschaft bis heute im uralten, aber wunderschönen Stade Bauer (wird im Okotber dieses Jahres 100 jährig!) spielt. St. Ouen liegt im Gürtel der Pariser Banlieu. Im Metro Richtung Porte de Clignancourt ist dies offensichtlich, ist die Bahn doch hauptsächlich mit Immigranten aus Afrika gefüllt. An der Endstation herrscht dann auch schon ein hektischer und lebendiger Betrieb. St. Ouen ist bekannt für seinen riesigen Markt, wo man neben vielen billigen gefälschten Kleidern auch unzählige Antiquitäten kaufen kann. Als unvorsichtiger Tourist kann man dort schnell mal seine Habseeligkeiten verlieren. Das Stadion ist in 10-15 Minuten zu erreichen. Das Leben als Red Star Fan ist im Schatten von PSG und anderen Vereinen wie Paris FC kein Zuckerschlecken und mit viel Leiden verbunden. Nichtsdestotrotz kann der Klub auf eine kleine, aber feine Fanszene zählen. Diese ist bunt gemischt und definiert sich klar antirassistisch. Auch in Bern gibt es eine Zehnerschaft von Fans aus dem YB-Umfeld, welche mit Red Star sympathisieren. So habe ich heute die Ehre, deren Mitgliederbeiträge für das “Collectif des Ami du Red Star 93 FC” (Dachverband der Fans) zu überbringen. Deren Pariser Freunde haben daran sichtlich Freude, dass sie mir und meiner Begleitung Isa (welche momentan als Au Pair in Paris arbeitet und mit mir den Tag in der Montmartre-Gegend verbracht hat) gleich ein Red Star T-Shirt schenken. Dem Stade Bauer sind die Spuren der Vergangenheit klar anzusehen. Die Stufen der Stehplätze auf unüberdachten Gegengerade bröckeln resp. sind gar nicht mehr vorhanden, so dass dieser Sektor gesperrt ist und nur von einem grossen Red Star Banner überdeckt wird. Hinter einem Tor ist eine riesige Stehplatztribüne mit zahlreichen Wellenbrechern, aber auch diese Tribüne wird heute nicht genutzt. Hinter dem anderen Tor ist kein Ausbau, dafür ein kultiges Hochhaus in Dreieckform. Geöffnet ist heute nur die Haupttribüne, welche in der Mitte einige Sitze hat, auf den beiden Aussenseiten sind uralte Plätze aus steinhartem Beton. Längeres Sitzen kann nachhaltige Schäden am Allerwertesten verursachen. Ca. 30 Red Star Fans supporten zu Beginn lautstark und es klingt nach einigen Leuten mehr, da auch das Dach zur guten Akkustik beiträgt. Aus Libourne sind 4 Fans angereist, bereits ein Fan mehr, als beim Spiel in Montpellier, welches ich vor einigen Jahren besuchthabe. Diese sind in der ersten Halbzeit auch einige Male zu hören. In der zweiten Halbzeit jedoch nicht mehr, weil der gesamte Red Star Anhang inkl. aller Fahnen und dem fast ganzen Sektor die Tribüne wechselt und jetzt bei den Libourne-Fans steht. Dies sei Tradition und werde nun schon seit Ewigkeiten so praktiziert, dass man die Tore am hoffentlich richtigen Ort sehen könne. Heute gibt es aber leider keine Tore, obwohl Red Star unzählige Grosschancen besitzt und das Spiel klar dominiert. Libourne ist sackschwach und hat auch mit der unglaublichen Hitze zu kämpfen, welche heute in St. Ouen und ganz Paris herrscht. So endet das Spiel mit einer kleinen Enttäuschung, trotz Überlegenheit keine drei Punkte nach Hause zu bringen. Das Stade Bauer und Red Star sind auf jeden Fall einen Besuch wert für jeden, der wieder einmal gute alte und vor allem authentische Fussballluft schnappen will. Allez le Red Star 93!

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