Donnerstag, 24. Januar 2013

Great Barrier Reef (Lady Musgrave Island)



Lady Musgrave Island

 Trotz der geographisch nicht idealen Lage Brisbanes (der Bundesstaat Queensland ist riesig, wie es sich für Australien gehört) für einen Besuch des Great Barrier Reefs wollten wir diesem Weltwunder unbedingt einen Besuch abstatten. Aufgrund von Flugüberdruss entschieden wir uns für einen Ausflug zum südlichsten Teil des riesigen Riffs. Diese Region ist touristisch weniger erschlossen als der nördliche Teil, bei welchem meistens Cairns als Ausgangspunkt für Ausflüge zum Reef dient. Unser Ziel war der Ort mit dem klangvollen Namen Town of 1770. Am Montag in aller Frühe und nach wenig Schlaf startete unsere Reise in Brisbane mit einer uns empfohlenen Tour, wo uns ein liebenswerter, aber aufgedrehter Tourleiter mit dem schönen Namen Harry Merkel (deutsche Vorfahren, dass Angie seine Tante sei, nahmen wir ihm nicht ab) in Empfang nahm. Dank ihm lernten wir eine weitere wichtige Lektion im Backpacker-Leben: Wenn der Tourguide frühmorgens (zu) gutgelaunt und in einer aussergewöhnlichen Lautstärke seine Leute abholt und begrüsst, eine rosarote Perücke trägt und aus dem Bus Mambo Number 5 in der Endlosschleife dröhnt, dann hat dies schon seine Gründe. Wähle deshalb NICHT die vordersten Plätze im Bus, auch nicht wenn sie mit viel Beinfreiheit und Platz locken. Und garantiert nicht, wenn du in der vorderen Nacht nur zwei Stunden geschlafen hast. Da ich dies aber nun erst beim Schreiben dieser Zeilen wirklich realisiere, sollte uns Harry fortan unterhalten, er war ein ausserordentlich lieber Kerl, aber wir waren wirklich müde. Im Halbschlaf hörte ich seinen Ausführungen zu und träumte von einer Begehung des Jakobsweges mit einer Gruppe von Taubstummen. Aber alles halb so schlimm wie ich es hier ausführe, schliesslich erreichten wir nach etwas mehr als 6 Stunden Agnes Water resp. Town of 1770 (die Ortschaften liegen so nahe beisammen, dass ich jeweils nicht wusste wo wir waren). Am schönen Strand liessen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Die Spirit of 1770 sollte uns heute von Town of 1770 auf die Lady Musgrave Island bringen, die zweitsüdlichste Insel des Great Barrier Reefs. Dieser Spass sollte mit dem Schiff rund zwei Stunden dauern und aufgrund unserer seriösen Touri-Vorbereitung wussten wir beim Lesen der Worte „we recommend taking motion sickness tablets at 7am“, dass die Reise auf dem offenen Meer wohl keine 08/15 Kreuzfahrt wird. Dachte ich beim Starten des Schiffes noch, dass die Schaukelei ein kleiner Gag des Kapitäns sei, wurde schnell mal klar, dass der starke Wellengang nun zwei Stunden andauern würde. Ich habe auf den Galapagos und den Philippinen schon ein paar nicht so schöne Schifffahrten erlebt, aber die heutige Fahrt war sofort auf Platz Nummer 1 der mühsamen Überquerungen. Glücklicherweise hatten wir Plätze an Deck und die Pillen inkl. Lollipops zeigten Wirkung. Leider fühlten sich nicht alle so gut wie wir und so erreichten gerade die Kinder eine beinahe 100% Kotzquote, die Erwachsenen hielten immerhin ca. zur Hälfte durch. Die arme Crew war somit die ganze Zeit beschäftigt, Kotztüten herumzureichen und wieder einzusammeln und den Kindern Lollipops auszuteilen. Sah aber sehr routiniert aus, wird wohl immer so sein. Nach zwei Stunden Tortur erreichten wir endlich die Lady Musgrave Island, eine wunderbare Insel, welche vom Riff und einer Lagune geschützt ist und somit das Schnorcheln auch für Weicheier wie uns ermöglichte. Während wir von den gesehenen Fischen und Schildkröten (letztere suchten wir vergeblich, obwohl mehrfach stolz angekündigt) eher enttäuscht waren, konnte das Reef vollends überzeugen: Wunderbare prächtige Korallen in allen Farben entschädigten für die üblen Gerüche auf der Hinfahrt. So frönten wir den ganzen Tag über der Schnorchlerei und unternahmen noch eher weniger überzeugende Fahrten mit einem Glass-Bottom Boat und einem Korallenerkundigungsboot. Die Rückfahrt sollte aufgrund des umgekehrten Wellengangs oder so viel entspannter sein und dies wäre auch wohl so gewesen. Aber der Kapitän war mächtig stolz auf sein Gefährt und liess so die gesamte Kinderschar des Schiffes mal ans Steuer und intervenierte auch nicht, wenn diese das Steuer voller Freude 360 Grad herumdrehten. Am Anfang fanden wir das ja auch noch süss und herzig und ich wäre auch fast noch betteln gegangen, das Schiff mal zu steuern zu dürfen. Wenn man dann aber mal eine Stunde nur noch Kurven dreht und das Schiff stetig wackelt, dann hört die Kinderliebe auch mal auf J

Am Mittwoch ging es dann inkl. Wagenpanne und Verspätung wieder nach Brisbane zurück. Wir stoppten auf beiden Wegen jeweils in der Stadt Bundaberg, welche leider ein paar Tage später völlig überschwemmt wurde. Wie bereits in Jakarta hatten wir das Glück, einen Ort kurz vor einer gravierenden Überschwemmung verlassen zu haben. (so wurde auch die nächste Tour nach der unsrigen abgesagt).

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