Sonntag, 6. Januar 2013

Persija Jakarta-Persisam Putra Samarinda 1:1

Indonesian Super League
Gelora Bung Karno Stadium, ca. 18'000 Zuschauer
Ground No. 1301
Länderpunkt No. 61



Über den indonesischen Fussball wurde in letzter Zeit vermehrt geschrieben und berichtet: Einerseits in Ultra-Magazinen wie Blickfang Ultra und in diversen Internetforen aufgrund der rasanten Entwicklung der Ultraszenen, andererseits auch in verschiedenen Online-Portalen aufgrund der Streitigkeiten zwischen dem offiziellen Fussballverband PSSI und dem Rebellenverband PT Liga Indonesia. Da ich selber nicht allzu gut durchblicke bei diesem Konflikt hier in Kürze ein paar Fakten: Wahrscheinlich weltweit einzigartig ist der Fakt, dass es in Indonesien parallel zwei höchste Profiligen gibt: Die Indonesian Premier League vom Verband und die Indonesian Super League als Rebellenliga. Dieser Umstand ist sogar der Fifa ein Dorn im Auge und kürzlich ist ein gesetztes Ultimatum verstrichen mit der Androhung, Indonesien auszuschliessen. Dies ist jedoch nun doch nicht geschehen, und scheinbar hat die indonesische Regierung beide Ligen anerkannt, da scheint also noch kein Ende des Konfliktes in Sicht zu sein.

Bei dem von mir besuchten Spiel handelte es sich um ein Spiel der Super League. Persija Jakarta scheint der populärste Klub in der Hauptstadt zu sein, und wenn ich das richtig interpretiert habe, ist der "Hauptklub" auch in der Super League angesiedelt, es scheint aber auch noch ein Team in der Premier League zu geben. Aber hier blicke ich echt nicht durch, evtl. weiss da jemand mehr?

Wie dem auch sei, heute begann für Persija die Meisterschaft mit einem Heimspiel im Gelora Bung Karno Stadium, einem der grössten Fussballstadien der Welt. Dieses war heute jedoch nur spärlich gefüllt, lediglich der grösste Supporterblock füllte die eine Hälfte des Unterranges auf der Gegengerade. Weiter waren hinter dem Tor noch die Ultras in der Curva Nord. Der Rest der Zuschauer verteilte sich auf den Unterrang im ganzen Stadion, die Zuschauerzahl ist nur geschätzt (nicht gerade meine Spezialität). Eintrittskarten leisteten wir uns die teuersten für IDR 150'000.- (es hätte auch solche für 40'000 und 90'000 gegeben), welche als VIP-Tickets angepriesen wurden. Aber nicht überall wo VIP drauf steht ist auch VIP drin :-) Unsere Karten waren für die Haupttribüne, jedoch nicht ganz mittig sondern links und rechts von den eigentlichen VIP-Logen.



Da ich schon einiges über die Stimmung in Indonesien gelesen hatte, war ich doch ziemlich gespannt auf den Auftritt von Persija. Beim Einspielen der Mannschaften war die Kurve in der Gegengerade bereits gut in Bewegung und gab die ersten Gesänge zum Besten. Diese sind zwar nicht überaus laut und brachial, dafür zumeist melodiös und vor allem ist die Bewegung im Block dazu sehr intensiv, es wird immer mit den Händen oder mit dem ganzen Körper (beispielsweise Wipp-Bewegungen in eine Richtung der ganzen Kurve) gesungen. Die Ultras hinter dem Tor hingegen sangen selten, diese schienen scheinbar gegen irgendwen zu protestieren, auf jeden Fall gab es mehrfach "Iwan out"-Gesänge und ein paar Spruchbänder.



Das Spiel war auf einem sehr bescheidenen Niveau, gerade athletisch schienen die allermeisten Spieler noch nicht für die recht kurzfristig angesetzte neue Saison  bereit zu sein. Persija ging in der 25. Minuten in Führung, der Torjubel in den Kurven war nicht allzu euphorisch, dafür drehten der Trainer und sein Assistent völlig durch und gingen beide auf die Knie vor der Ultras-Kurve, der Trainer stand danach auf und lief über den ganzen Platz fast bis vor die Kurve und zeigte ständig auf sein Herz, entweder um auf dessen Funktionstüchtigkeit aufmerksam zu machen oder doch, weil er Persija über alles liebt. Da steckt wohl noch mehr dahinter und eventuell haben die Proteste auch damit zu tun. Über den Gegner Persisam kann ich nur berichten, dass er wohl im Jahre 2000 per Fusion entstanden ist und dass er von der Insel Borneo, genauergenommen von der Hauptstadt Samarinda der Provinz Ost Kalimantan stammt. Mitgereiste Fans konnte ich bis zum Ausgleich in der zweiten Halbzeit keine ausmachen, bis zu ebenjenigem ca. 50 Fans recht von der Haupttribüne aufstanden und jubelten. Da diese auch in Orange wie das ganze Stadion gekleidet waren, konnte ich deren "Verkleidung" bis zu diesem Zeitpunkt nicht erkennen. Desweiteren jubelte eine ganze Reihe an Polizisten in unserem Block ausgelassen über den Ausgleich, entweder wurde da auf das Spiel gewettet oder es kamen Heimatgefühle von nach Jakarta gezogenen Menschen auf.

Übrigens finden fast täglich Spiele in Indonesien statt, so dass man sich in ein paar Wochen wohl einige Spiele anschauen kann, auch wenn dies mit viel Reisen verbunden ist. Indonesien ist so gross, dass viele Strecken in kurzer Zeit nur mit dem Flieger zu bewältigen sind. Die Premier League startet voraussichtlich dann Anfang Februar.

Keine Kommentare:

Kommentar posten